Training & Education
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Orientierungshilfe für Entwickler:innen zur Gestaltung verantwortungsvoller Anwendungen
Immersive Anwendungen im Metaverse schaffen neue Formen digitaler Nähe, sozialer Interaktion und virtueller Selbstdarstellung. Damit gehen auch neue Herausforderungen für Datenschutz, Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte einher. Besonders relevant ist dabei, dass virtuelle Räume nicht erst nach ihrer Veröffentlichung sicher gestaltet werden sollten. Schutzmechanismen müssen vielmehr frühzeitig in Design- und Entwicklungsprozesse eingebunden werden. Eine präventive Berücksichtigung potenzieller Risiken schützt nicht nur Nutzer:innen, sondern kann auch dazu beitragen, spätere Anpassungs- und Compliance-Kosten zu reduzieren.
Zur Unterstützung eines privatsphäreschützenden Designprozesses werden im Folgenden Metriken der Privatsphäre vorgestellt.
Video aus dem Projekt PRIME
| Dieser Artikel wurde in Kooperation mit dem vom BMFTR geförderten Forschungsprojekt PRIME – Privatheit im Metaversum erstellt. Das Projekt entwickelt und evaluiert Designpraktiken und Metriken, die Nutzer:innen dabei unterstützen, Datenschutz und ihre Persönlichkeitsrechte im Metaversum wirksam wahrzunehmen. Die Metriken sind das Ergebnis eines mehrstufigen Forschungs- und Entwicklungsprozesses. Auf Grundlage von Literaturauswertungen, Gesprächen mit Expert:innen, quantitativen Befragungen und Experimenten, in denen Designelemente getestet wurden, wurden Anforderungen an das Design des Metaverse identifiziert, gebündelt und in eine praxisnahe Checkliste überführt. |


(Sara Kurig, Unsplashed)
Was sind die Metriken?
Die im Projekt PRIME entwickelten Metriken sind als strukturierte Checkliste angelegt. Sie unterstützen Entwickler:innen dabei, Anforderungen an Privatsphäre und Persönlichkeitsrechte bereits während des Entwicklungsprozesses mitzudenken und in das Design von Anwendungen zu überführen. Ziel ist es, mögliche Risiken nicht erst nach der Veröffentlichung einer Anwendung zu erkennen, sondern frühzeitig in Design- und Entwicklungsentscheidungen einzubeziehen.
Inhaltlich bündeln die Metriken zentrale Anforderungen aus dem Datenschutz und dem Schutz von Persönlichkeitsrechten. Dazu gehören etwa Grundsätze wie Datensparsamkeit, Sicherheit und Transparenz, aber auch Fragen nach dem Schutz vor Übergriffen, der Kontrolle über die eigene Darstellung und einem sicheren sozialen Miteinander in virtuellen Räumen.
Die Metriken helfen dabei, zentrale Fragen systematisch zu stellen, etwa:
Welche Daten werden erhoben – und sind diese wirklich notwendig?
Wie werden Nutzer:innen informiert und eingebunden?
Welche Risiken können im sozialen Miteinander im Metaverse entstehen und wie begegnet man diesen?
| Vollständige Metriken: Die vollständigen Privatsphäre-Metriken werden auf der Projektwebseite PRIME – Privatheit im Metaversum ausführlich erläutert. Eine Übersicht aller Metriken sind unter: privacy-metaverse.de/metriken zu finden. |
Für wen sind die Metriken gedacht?
Die Metriken richten sich insbesondere an Entwickler:innen von VR- und Metaverse-Anwendungen sowie an Plattformbetreibende. Sie bieten Orientierung für alle, die an der Gestaltung, technischen Umsetzung oder Weiterentwicklung virtueller Räume beteiligt sind.
Relevant sind die Metriken vor allem dort, wo grundlegende Entscheidungen über Datenerhebung, Nutzer:innen und Plattformdesign getroffen werden. Denn genau an diesen Stellen wird festgelegt, welche Daten verarbeitet werden, wie Nutzer:innen miteinander und mit der Anwendung interagieren können und welche Schutzmechanismen von Anfang an mitgedacht werden.
Primär sind die Metriken für die Gestaltung von B2C-Umgebungen in virtuellen Welten gedacht, etwa für Spieleumgebungen oder virtuelle Online-Shops. Auf B2B-Anwendungen, etwa im Industrial Metaverse, lassen sich einzelne Aspekte ebenfalls übertragen, insbesondere mit Blick auf Datenschutzfragen.
Wie werden die Metriken genutzt?
Die Metriken sind als Checkliste auf der PRIME-Webseite aufgebaut und können flexibel eingesetzt werden: bereits während der Konzeption, um mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen, während der Entwicklung, um Designentscheidungen zu überprüfen, oder bei der Evaluation bestehender Anwendungen.


Anwendungsbereiche der Metriken: Konzeption, Entwicklung, und Evaluation
Entwickler:innen können die Metriken themenbezogen nach den Bereichen Datenschutz und Schutz der Persönlichkeitsrechte durchgehen.
Dabei wird sichtbar, welche Anforderungen rechtlich verbindlich sind und welche Hinweise als Empfehlungen zum Schutz der Nutzer:innen dienen. Ergänzend werden zu einzelnen Themenbereichen erprobte Designvorschläge genannt, die im Rahmen des Projekts untersucht wurden. Sie zeigen beispielhaft, wie abstrakte Anforderungen in konkrete Gestaltungslösungen übersetzt werden können.


Beispiel: Designvorschlag “Schutzblase”
| Weiterführende Designvorschläge: Weitere Empfehlungen zur datenschutzfreundlichen und verantwortungsvollen Gestaltung von Metaverse-Anwendungen findet Ihr unter privacy-metaverse.de/designvorschlaege/ |
Metriken als Ortientierungshilfe!
Die Metriken sollen eine Unterstützung für Entwickler:innen und Plattformbetreibende darstellen. Sie sind nicht als Vorgaben zu verstehen, sondern als Orientierungshilfe. Sie machen komplexe Anforderungen greifbarer und unterstützen dabei, zentrale Fragen zu Datenschutz und Schutzmechanismen strukturiert zu bearbeiten.
Gerade im Metaverse ist dies besonders wichtig: Virtuelle Interaktionen können intensiver, unmittelbarer und persönlicher wirken als in klassischen digitalen Anwendungen. Umso entscheidender ist es, Fragen des Schutzes von Privatsphäre und Persönlichkeitsrechten nicht erst nachträglich zu behandeln, sondern bereits frühzeitig in die Gestaltung virtueller Räume einzubeziehen.
Dieser Artikel wurde vom Projektteam des vom BMFTR geförderten Forschungsprojekt Prime – Privatheit im Metaversum erstellt.



