Mit Handtracking zu besseren Prothesen: Wie FLOAT Spielen und Datenspenden verbindet
Was wäre, wenn ein Mixed-Reality-Spiel nicht nur Spaß macht, sondern gleichzeitig bei der Entwicklung bezahlbarer Handprothesen hilft? In FLOAT retten Spielerinnen und Spieler kleine Wesen in einer zerbrochenen Welt – und können dabei Handgestendaten für einen guten Zweck spenden. Entwickelt wurde das preisgekrönte Spiel nicht von einem etablierten Studio, sondern von einem sechsköpfigen studentischen Team.
Darüber spricht in dieser Folge von New Realities der Game-Production-Student Kevin Bruno vom Team Mouseworks der Hochschule Neu-Ulm. Mouseworks gewann mit FLOAT beim Festival der Zukunft 2026 den New Realities Award. Dabei begann das Projekt ursprünglich als Pflichtaufgabe im dritten Semester des Studiengangs Game Production and Management.

In FLOAT helfen die Spielerinnen und Spieler den kleinen Pookis, ihre durch einen verheerenden Sturm auseinandergerissenen schwebenden Inseln wieder zusammenzuführen. Gesteuert wird ohne Controller: Die eigenen Hände werden zu Brücken, schützen die Pookis vor Wasserfällen oder ermöglichen andere Interaktionen mit der farbenfrohen Spielwelt.
Hinter diesen Gesten steckt ein medizinischer Ansatz. Wer beim Spielen ein spezielles Armband des Frankfurter Start-ups MyoMod trägt, kann Muskel- und Handgestendaten erfassen lassen. Die Daten sollen dabei helfen, den Steuerungsalgorithmus für eine bezahlbare myoelektrische Handprothese zu trainieren. Ziel ist eine Prothese, die bereits mithilfe vieler unterschiedlicher Bewegungsdaten vortrainiert wurde und dadurch schneller intuitiv genutzt werden kann.
Kevin erzählt, wie das Team eine passende Spielidee für die elf benötigten Handgesten entwickelte, warum die Entscheidung auf Mixed Reality fiel und welche technischen Herausforderungen das Handtracking mit sich brachte. Außerdem geht es darum, weshalb FLOAT trotz seines medizinischen Hintergrunds bewusst nicht wie eine Gesundheitsanwendung wirken sollte, sondern wie ein liebevoll gestaltetes und möglichst zugängliches Spiel. Der Aufwand hat sich gelohnt: Zum Zeitpunkt der Aufnahme war FLOAT bereits rund 18.000-mal heruntergeladen worden und hatte mehrere Preise gewonnen.
Im Gespräch geht es außerdem um den ungewöhnlichen Studiengang Game Production and Management, Kevins Weg vom ausgebildeten Banker zum Game Producer und die Arbeitsteilung innerhalb von Mouseworks. Kevin stellt auch die weiteren Projekte des Teams vor: den vollständig per Handtracking gesteuerten VR-Mecha-Brawler MERCURY und das asymmetrische Couch-Koop-Spiel CATENA, bei dem zwei miteinander verbundene Figuren sich eine Waffe teilen müssen.
Und schließlich spricht Kevin darüber, wie es nach dem Studium mit Mouseworks weitergehen könnte, weshalb eine gemeinsame Ausgründung weiterhin im Raum steht – und warum ein stabiles Team manchmal genauso wichtig ist wie eine gute Spielidee.
Das Gespräch wurde Ende August 2026 während der Gamescom aufgenommen. FLOAT kann kostenlos auf Meta Quest gespielt werden. Wer zusätzlich Daten für MyoMod spenden möchte, findet die Informationen dazu auf der Website des Start-ups.
Weitere Infos und Links
FLOAT und die Entstehung des Projekts
MyoMod – Entwicklung bezahlbarer myoelektrischer Handprothesen
Mouseworks und die Spiele des Teams
Hörzeit: 36,5 Minuten
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New Realities ist ein gemeinsames Podcast-Projekt von 1E9 und dem XR HUB Bavaria, in dem wir neue Realitäten vorstellen – also Projekte, Ideen, Konzepte und Produkte in Virtual, Augmented und Mixed Reality. Oder kurz gesagt: in Extended Reality.

