Kunst & Kultur
Kunst & Kultur
Wann: ab jetzt bis Ende der Spielzeit 2026
Wo: Foyer des Schauspielhauses des Staatstheaters, Nürnberg
Im Foyer des Schauspielhauses Nürnberg ( Staatstheater) kann man ab jetzt bis Spielzeitende die VR/MR- Installation „Kopfblüten“, Titel 2024 ursprünglich „Held in Human II: Rose in your Brain“ erleben.- allein oder auch mit anderen zusammen, je nachdem, wieviel Tickets gebucht ist.
Die estnische Choreografin Liis Vares hat zusammen mit dem Digitalkünstler Taavet Jansen und dem XR-Entwickler Norbert Pape diese Experience geschaffen, die sich das Thema Warten, Zwischenzeit als Ausgangsbasis nimmt.-
…, was einem/ einer während so einer Wartezeit in den Kopf kommt, wie sich die Wahrnehmung gerade auch für kleine Dinge verändert, auf was man reflektiert, ob man selber entscheidet, das Warten zu beenden.
Die Experience wird in Nürnberg das erste Mal in einem Theaterhaus gezeigt, nach der Universitätsbibliothek in Tartu, dem PAD Festival ( 2024) und anderen Festivals in Europa.
Vares und Jansen waren übrigens auch als Residents bei der Akademie für Theater und Digitalität.


Mein Erlebnis
Das Foyer kenne ich als Empfangs- Garderoben- und Verteilerraum gut.
Heute bin ich die Einzige, auf die eine vorbereitete VR Brille neben dem Eingang wartet.- aber es können jeweils mehrere Personen buchen.


Die nette Mitarbeiterin checkt nochmal und dann bin ich auf Position 1, Start. Ich bin im Pass-Through Modus, sehe das Foyer, die Garderobe und auch die Mitarbeiterinnen.– Das Theaterpublikum ist bereits in den Vorstellungen, man hört ab und zu Lachen, neben dem Treppenaufgang steht ein kleiner Tisch mit einer sehr analogen orangen Schreibmaschine.-
Jetzt erscheint der Schriftzug „Gehe zur Treppe“. Ich bewege mich dahin, Richtung Schreibtisch, und jetzt füllt sich der immer noch sichtbare Umraum mit Texten und Worten- die an die Pfeiler angepasst sind, manche groß, manche kleiner geschrieben.
Ich höre Geräusche, Geklapper, Stimmen, Musik.


Die Farbe ändert sich, die Umgebung bleibt immer sichtbar, sie färbt sich nach einigen Minuten in grün.-
Da bin ich schon eingetaucht, versuche die Buchstaben wahrzunehmen, mich drauf einzulassen, zu kleinen Wörtern hinzugehen. Ein kurzer Text einer Situation. Nachrichtenfetzen- die sind aktuell im Vergleich zum ersten Text, der eher nach vergangenen Jahren schmeckt.
Und die Frage, wo wir den Unterschied sehen zwischen früheren Techniken, Text festzuhalten und den heutigen digitalen.
Ein Texthaufen, einzelne fallende Worte… Landstrasse, Baum, Blatt.
Die Worte sitzen im Raum, fahren durch ihn durch, können manchmal gestoppt werden ( „Fang mich, wenn Du kannst“), dann gibt´s auch noch Linien, die ich selber in den Raum zeichnen kann.
Kann man gemeinsam zeichnen oder auch etwas schreiben, wenn man zu mehreren in der Experience ist? Sehe ich die Zeichnung der anderen Teilnehmenden dann auch? Kann man gemeinsam Texte schreiben?


Oh, da kommt ein Passant, der mir winkt. Echt? Hat er mich trotz Headset erkannt?- – Aha, ja doch, ja klar: jetzt hab ich ihn auch erkannt und winke zurück. Hallo H.!
Er setzt seinen Weg fort und ist damit einfach zu einem Teil meiner persönlichen Version der Experience geworden; zusammen mit den Mitarbeiterinnen, die schon mal Schnittchen für Pausengäste bringen.
Die Überlagerung ist schön. Ich kann mich super auf die Textfragmente einlassen, für mich ist es wie ein Gedicht, wie Poesie. Die Kopfblüten sind gerade jetzt für mich ein poetischer Layer, der während den begonnenen Vorstellungen über und zwischen dem nicht sehr frequentierten Foyerraum liegt. Die Worte schweben, sind Groß, sind Klein und ich bewege mich in der Arbeit, denn ich kann ja herumgehen.
Indem ich in der Schwarz-Weiss/Schwarz/Blau Umgebung bin, bin ich damit in der Experience und zeitgleich im Foyer des Schauspielhauses, in dem die Mitarbeiter:innen ihre jeweilige Abendtätigkeiten verrichten.












„Gehen wir?“
Ich gehe aus der Brille und erkunde das Foyer jetzt nach der Experience nochmal anders, entdecke das Blatt, das vorher farblos am Boden lag, grün an anderer Stelle.




Der Schreib-Tisch, an dem ich auf der altertümlichen Schreibmaschine selber auf Papier schreiben kann. Ein Instrument in klarem Orange, vermutlich aus den 1970er Jahren des letzten Jahrhunderts, dessen Mechanik noch sehr gut funktioniert. Wer von uns ist es noch gewohnt, damit Tippfehler auszubessern? Die älteren…
Viele Besucher:innen haben ihre Gedanken schon in die Maschine geklappert. Ich lese sie auf den maschinenbeschriebenen Papieren an der Wand– das werden bis Spielzeitende immer mehr werden. Spannend!








„Die meisten haben ein Lächeln auf dem Gesicht, wenn sie rauskommen.“
sagt die Mitarbeiterin, die die Brille wieder in Empfang nimmt.


Das Schauspielhaus über KOPFBLÜTEN in der Ankündigung:
„ Es ist ein inszenierter Gedankentrip, eine körperliche Leseerfahrung, eine Choreographie der Gedanken in 16 Minuten. In dieser audiovisuellen Installation organisieren sich Worte und Gedanken zu einem Mixed-Reality-Raum. Sie bewegen sich, erscheinen und verschwinden, während sie miteinander in Beziehung treten. Das Stück ist buchstäblich auf Worten und Gedanken aufgebaut, die das Publikum durch das Stück führen und durch den Körper laufen. Das Publikum kann mit dem Text interagieren, wenn er erscheint, sowie mit anderen Zuschauenden aus der Ferne.“
Die Tickets kosten € 5,50.
Ich empfehle, sich die Experience anzusehen!
Nach 20 Minuten ist der Abend immer noch jung und offen!

