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Fünf Fragen an / Five Questions to Bernhard Kowatsch, World Food Programme (WFP)


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Trainingsanwendungen in Virtual Reality sind kostengünstiger, sicherer und effektiver. Das Welternährungsprogramm (WFP) hat einen Trainings-Pilotversuch in VR gestartet und ist sehr begeistert von den Möglichkeiten, die die Technologie heute schon bietet und vor allem in der Zukunft noch bieten wird.

Wir haben mit Bernhard Kowatsch über die Beweggründe und erste Erfahrungen mit dem VR Training gesprochen. Er ist Gründer und Leiter des Innovation Accelerators, der Startups und Non-Profit-Organisationen, die den Hunger in der Welt bekämpfen, aufspürt, fördert und ausbaut.

Bernhard Kowatsch, Head of Innovation Accelerator, Fotocredits: WFP

  1. Was ist das Hauptziel des Welternährungsprogramms (WFP) und wie trägt der WFP Innovation Accelerator dazu bei?

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) ist Träger des Friedensnobelpreises 2020. Wir sind die größte humanitäre Organisation der Welt, retten Leben in Notfällen und ebnen mit Ernährungshilfe den Weg zu Frieden, Stabilität und Wohlstand für Menschen, die von Konflikten, Katastrophen und den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind.

Der Hunger in der Welt ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Weltweit haben bis zu 811 Millionen Menschen nicht genug zu essen – unter anderem in der Ukraine, Afghanistan, Äthiopien oder im Jemen. WFP arbeitet in 123 Ländern und Territorien mit mehr als 21.800 Mitarbeitern weltweit. Wir kämpfen dafür, den Hunger in der Welt bis 2030 zu beenden. Innovationen sind dafür wichtiger denn je – insbesondere jetzt.

Aufgrund der Auswirkungen des Konflikts in der Ukraine ist die Zahl der Menschen, die akut von Ernährungsunsicherheit betroffen oder stark gefährdet sind, 2022 auf einen Rekordwert von 345 Menschen in 82 Ländern gestiegen. Das ist ein Anstieg um fast 200 Millionen Menschen im Vergleich zu der Situation vor der Pandemie.

Um den Kampf gegen den weltweiten Hunger zu unterstützen, wurde der WFP Innovation Accelerator 2015 in München ins Leben gerufen. Hier suchen wir nach neuen Lösungen und unterstützen und skalieren vielversprechende Innovationen gegen den Hunger. Bis heute haben wir 7.708 Bewerbungen mit innovativen Ideen erhalten. Wir haben 40 Innovationsprogramme durchgeführt, um über 390 Teams dabei zu helfen, sich mit den Herausforderungen vor Ort auseinanderzusetzen, Lösungen zu finden und ihre Projektpläne zu präzisieren. Wir bieten unser besonderes Wissen im Bereich der humanitären Innovationen auch anderen UN-Organisationen, Regierungen und NGOs an, um weitere UN-Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Dazu gehören beispielsweise die Bill & Melinda Gates Foundation, das Digilab des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die GIZ.

Der Innovation Accelerator hat seit 2015 mehr als 100 Sprint-Projekte unterstützt, indem er in einem Zeitraum von drei bis sechs Monaten Finanzmittel, praktische Unterstützung und Zugang zu Netzwerken und Partnern vor Ort von WFP bereitgestellt hat. 18 dieser Projekte werden jetzt weltweit ausgeweitet. Allein im Jahr 2021 haben wir mit unserer Arbeit im Innovation Accelerator mehr als neun Millionen der am meisten gefährdeten Menschen der Welt erreicht. Dank der großzügigen Unterstützung der Bayerischen Staatsregierung und der Bundesregierung wachsen wir jedes Jahr – und das exponentiell. Innovationen sind unser Fokus im Innovation Accelerator, aber sie waren auch schon immer Teil der DNA des WFP. WFP hat eine ganze Abteilung, die sich auf Innovationen und Wissensmanagement konzentriert. Dort werden verschiedene Projekte umgesetzt – wie zum Beispiel auch solche, die sich mit Virtual Reality beschäftigen. Auch der WFP Innovation Accelerator gehört zu dieser Abteilung.

  1. Welches Potenzial sehen Sie für Virtual Reality und Extended Reality für die Arbeit von WFP?

Für uns besteht großes Potenzial sowohl darin, bereits bestehende Virtual Reality-Anwendungen auf dem Markt zu nutzen, als auch unsere eigenen, spezifischen Schulungen zu entwickeln, die zu WFP-Operationen passen. Mithilfe von Virtual Reality können wir Schulungen gestalten, bei denen die Teilnehmer mit Kolleginnen und Kollegen auf der ganzen Welt interagieren und in Gruppen arbeiten. Virtual Reality ermöglicht es, in realitätsnahe Situationen und ortsbezogene Probleme einzutauchen. So werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen eine große Zahl an gefährlichen und anspruchsvollen Orten auf der Welt stationiert ist, besser auf die Herausforderungen in ihrem Arbeitsumfeld vorbereitet. Wir sehen diese Art von Schulung auch als eine kosten- und zeiteffiziente Art der Ausbildung – die uns in unserer Arbeit, globale Veränderungen zu erreichen, unterstützen wird.

  1. WFP entwickelt eine Rhetorik- und Kommunikationsschulung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Logistik und Lieferkette, bei der Virtual Reality zum Einsatz kommt. Was ist der aktuelle Stand des Projekts?

Das Projekt besteht aus zwei Teilen: Software und Hardware. Wir verwenden eine Standardsoftware für Rhetorik- und Bewerbungsfähigkeiten eines Unternehmens, das eine breite Palette von Soft-Skills-Trainings sowohl online als auch durch Virtual Reality anbietet. Derzeit passen wir die Angebote des Unternehmens an die Bedürfnisse von WFP an. Dazu gehört zum Beispiel, einen WFP-Besprechungsraum zu designen, in dem Interviews und das Sprechen in der Öffentlichkeit geübt werden können. Dafür bilden wir einen Raum des WFP-Länderbüros im Jemen nach. Für den Hardware-Teil benötigen wir eine Reihe von VR-Headsets.

4. Was steht als Nächstes an?

Wir planen, ein Pilotprojekt in einer Abteilung der WFP-Zentrale in Rom sowie in regionalen Büros auf der ganzen Welt und in ausgewählten Länderbüros in den kommenden Monaten durchzuführen. Wir wollen Virtual Reality als Lernwerkzeug besser verstehen und anschließend das volle Potenzial dieser Technik entfalten. Der Pilot, wie wir ihn nennen, wird zusammen mit dem Feedback der Nutzer entscheidend dafür sein, wie wir die Technik in Zukunft einsetzen können.

5. Wie genau sollen WFP-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter von einer solchen Schulung profitieren?

Wir möchten, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter während der Schulung mit einer realen Situation konfrontiert werden, die für die teilweise schwer zugänglichen Gebiete in den Ländern, in denen sie arbeiten, repräsentativ ist. Der Einsatz von Virtual Reality kann äußerst wirkungsvoll sein, da sie so vollständig in das Erlebnis eintauchen und sich mit ihren Kollegen aktiv treffen und austauschen können. Bei dieser Art von Schulung haben sie die Möglichkeit, ihre Kommunikationsfähigkeiten in ihrem eigenen Tempo in einer privaten, für sie komfortablen Umgebung zu üben. Sie können das Training so oft wie gewünscht absolvieren und erhalten Feedback zu ihren Ergebnissen. Außerdem ist es möglich, die Schulung aufzuzeichnen und hinterher anzusehen. Dieser Prozess wird das Selbstvertrauen beim Sprechen in der Öffentlichkeit und bei Vorstellungsgesprächen stärken. Einen weiteren Vorteil sehen wir in den analytischen Rückmeldungen aus systematischen Verhaltensdaten, die uns die Schulungen mit Virtual Reality liefern. Dieses Projekt legt die Grundlage für weitere Initiativen dieser Art.

Dieses Video fasst die Erfahrungen im Projekt zusammen:

The video above summarises the experiences in the project.

ENGLISH VERSION OF THE INTERVIEW

Virtual Room in a disaster management training course. Participants use VR to gather with colleagues in a tent at the site of the disaster to prepare a logistical emergency response plan. Fotocredits WFP

Training applications in virtual reality are cheaper, safer and more effective. The World Food Programme (WFP) has launched a training pilot in VR and is very excited about the possibilities that the technology already offers today and will offer in the future.

We spoke with Bernhard Kowatsch about the motivations and initial experiences with VR training. He is the founder and director of the Innovation Accelerator, which identifies, promotes and expands start-ups and non-profit organisations that fight hunger in the world.

Bernhard Kowatsch, Head of Innovation Accelerator, Fotocredits: WFP

  1. What is the ultimate goal of the World Food Programme and how does the WFP Innovation Accelerator contribute to that?

The World Food Programme (WFP), Nobel Peace Prize laureate in 2020,  is the leading humanitarian organization saving lives and changing lives. The organization delivers food assistance in emergencies and works with communities to improve nutrition and build. World hunger is one of the greatest challenges of our times. Across the globe, up to 811 million people do not have enough to eat – for example in Ukraine, Afghanistan, Ethiopia or Yemen. WFP works in 123 countries and territories with more than 21,000 staff worldwide to end world hunger by 2030. For this, innovation is more important than ever – especially now.

Driven by the ripple effects of the conflict in Ukraine, the number of people who are acutely food insecure or at high risk has soared to a record high of 345 people in 2022 in 82 countries. This is an increase of almost 200 million people compared to pre-pandemic levels.

To disrupt worldwide hunger, the WFP Innovation Accelerator was launched in 2015 in Munich. We seek new solutions as well as support and scale up promising innovations against hunger. From our platform in Munich, we are working towards building resilience to shocks and stress, access to safe and nutritious food, and advancing equitable livelihoods for all. To date, we have sourced 7,708 applications with ideas to disrupt hunger, hosted 40 innovation programmes to help over 390 teams deep dive into field-level challenges, ideate solutions, and refine their project plans. We also offer our knowledge in the field of humanitarian innovations to other UN organizations, governments, and NGOs in order to achieve further UN Sustainable Development Goals. These include, for example, the Bill & Melinda Gates Foundation, the Digilab of the German Federal Ministry for Economic Cooperation and Development (BMZ), and the German Corporation for International Cooperation (GIZ).

The Innovation Accelerator has supported more than 100 sprint projects, providing funding, hands-on support, and access to field networks and partners in a three to six month period. 18 of these projects are now being scaled up globally. In 2021 alone, we have reached over nine million of the world’s most vulnerable people with our work in the Innovation Accelerator. Thanks to the generous support of the Bavarian State Government and the German Federal Government, we are growing every year – exponentially. Innovation is our focus at the Innovation Accelerator, but it has also always been part of WFP’s DNA. WFP has a whole department focused on innovation and knowledge management. In this unit various projects are implemented – such as those dealing with Virtual Reality. The WFP Innovation Accelerator is part of this unit.

  1. What is the potential for Virtual Reality and Extended Reality to contribute to WFP’s work in general?

As part of WFP’s global change work, we foresee huge potential in using existing applications available on the market as well as create our own specific trainings that can mirror WFP operations. Trainings where users interact with colleagues globally for group work can also be developed. Virtual Reality provides immersion into real-life situations and on-the-ground problems. WFP staff will be better prepared for the realities they will face in the places where we work, some of which are amongst the most challenging and dangerous places in the world. We also see this as a cost and time effective way of doing training.

3. WFP is developing a public speaking training for supply chain staff using Virtual Reality. What is the current state of the project?

The project consists of two parts: Software and Hardware. We are using a standard rhetoric and application skills software from a company that offers a wide range of soft skills training both online and through Virtual Reality. We are currently customizing the company’s offerings to meet WFP’s needs. This includes, for example, designing a WFP meeting room to practice interviews and public speaking. For this, we are replicating a room in the WFP country office in Yemen. For the hardware part, we are using a series of VR headsets.

4. What will happen next?

We plan to launch a pilot project in a unit at WFP headquarters in Rome, as well as in regional bureaux around the world and in selected country offices in the coming months. This should help us to better understand Virtual Reality as a learning tool and unleash the full potential of this technology. The pilot, as we call it, together with user feedback, will be critical in determining how we can use the technology in the future.

5. How exactly do you envision WFP staff to benefit from such a training?

We want our staff to encounter a real-life situation during training, representative of the partially hard-to-reach areas in the countries where they work. Using Virtual Reality can be extremely powerful, as they can fully immerse in the experience and actively meet and interact with colleagues. With this type of training, they have the opportunity to practice their communication skills at their own pace in a private environment that is comfortable for them. They can complete the training as many times as they wish and receive feedback on their results. It is also possible to record the training and view it afterwards. We are confident that this process will boost confidence when speaking in public or at job interviews. We see another benefit in the analytical feedback from systematic behavioral data that training with Virtual Reality will provide. This project lays the groundwork for other initiatives of this kind.

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