Kunst & Kultur

MANA – eine hybride Kunst-Ausstellung


MANA ist eine hybride Kunst-Ausstellung, die vom 13.11.2021-13.12.2021 sowohl virtuell (Hinweis: am besten Google Chrome verwenden) als auch physisch in der VERPACKEREI GÖ stattfindet. Mit der Verknüpfung von zwei Ausstellungswelten reizt MANA die Grenzen zwischen Räumen, Dimensionen und Wirklichkeiten aus. Zehn Künstler:innen setzen sich mit diesem Spannungsfeld auseinander und zeigen jeweils ein physisches und ein virtuelles Werk. Die Positionen ergänzen, beantworten und vervollständigen einander, ohne sich dabei zu gleichen.


Über diese Auseinandersetzung und Spannungen mit realen und virtuellen Räumen und Arbeiten haben wir mit Luise Wank, Tatjana Vall und Justin Urbach aus dem Kurations-, Konzeptions- und Produktionsteam gesprochen.


Wie seid Ihr auf die Idee zu dieser hybriden Ausstellung gekommen? Was reizt Euch an der Verbindung realer und virtueller Räume?

Im vergangenen Jahr hat sich sowohl die Notwendigkeit als auch die Nachfrage nach neuen Ausstellungsformen herausgestellt. Durch die Pandemie fand eine Verlagerung der Kultur ins Virtuelle statt. Neue Wege des Ausstellens und der Kunstvermittlung mussten daher erschlossen werden. Mit dem Projekt begeben wir uns in den aktuellen Diskurs um digitale Kunst, Vermittlung und Erwerb.

Mit der Verknüpfung von zwei Ausstellungswelten lässt MANA die Grenzen zwischen virtuellem und physischen Raum verschwimmen und sorgt damit für eine Hinterfragung der Wirklichkeit.

Zehn Künstler:innen setzen sich hierfür mit dem Spannungsfeld zwischen Realität, Fiktion und Dimension auseinander und zeigen jeweils ein physisches sowie ein virtuelles Werk. Die künstlerischen Positionen werden sich dabei im physischen und virtuellen Raum nicht gleichen, sondern sich erweitern, ergänzen, beantworten und vervollständigen. 


Holy Plaza ist der virtuelle Teil Eurer Ausstellung. Woher kam die Idee dazu? Wie habt Ihr diesen virtuellen Ausstellungsteil umgesetzt? Gab es da ein Team? Mit welcher Software habt Ihr gearbeitet? Was habt Ihr für künftige Projekte gelernt?

HOLY PLAZA ist ein Bauprojekt des Architekturbüros Studio Paradiso, welches in Zusammenarbeit mit Bruno Wank entwickelt wurde. Mit der einzigen Vorgabe ‘Kirche’ und ‘Wohnen’ zusammenzubringen, entwickelten Andreas Mischke, Eva Miklavcic und Eugen Happacher die futuristische Kirche HOLY PLAZA. Das 3D-Modell versucht in dem Grundriss der Kirche Wohnungen, einen Kirchturm und das Allgäuer Spitzhausdach zu vereinen. Ausgehend von diesem Modell wurde eine Bautafel vor der VerpackereiGö aufgestellt, die das fiktive Bauprojekt bewirbt und die Flächenversiegelung des Allgäus thematisiert. 

Für MANA entwickelte das Studio Paradiso den architektonischen Innenausbau der Kirche. Eine Wendeltreppe verbindet die einzelnen Häuser im Inneren und führt bis in den sich auf dem Kirchendach befindenden Vogelkäfig. Die Anwendung haben wir mit Unity erstellt. Für zukünftige Projekte möchten mir von Anfang an enger mit ArchitektInnen und ProgrammiererInnen zusammen arbeiten, um technische Grenzen weiter ausreizen zu können.


Der Titel Eurer Ausstellung „MANA“ ist ein schillernder und vieldeutiger Begriff. Warum habt Ihr ihn gewählt, in welchem Zusammenhang stehen die einzelnen Arbeiten dazu und was können die Besucher:innen Eurer Ausstellung über Kryptowährungen lernen?

Informiert man sich über Mana, stolpert man schnell über die Bedeutung des Begriffs in den austronesischen Sprachen: Macht oder auch spirituelle Kraft, die sowohl auf Mensch als auch auf Natur wirken kann. Mana ist demnach ein Teil von allen Lebewesen, ein energetisches Potential, welches als universelle Lebenskraft verstanden werden kann. Der Schritt in den Bereich des Gamings ist jetzt nur noch ein kleiner. Mana wird hier meist als blauer Energiebalken dargestellt, der die Beschriftung MP enthält. Manapunkte, auch als Lebenspunkte zu bezeichnen. In der virtuellen Welt “Decentraland” dient Mana als Währung: Mit der Cryptowährung kann man hier virtuelles Land erwerben und handeln. In der polynesischen Kultur ist Mana die zentrale Lebenskraft, die sowohl die diesseitige als auch jenseitige Welt durchdringt. Eine Unterscheidung der zwei Welten gibt es nicht, da Mana das eine Kraftpotential beschreibt, das generell herrscht. Dieses Verschwimmen der Welten und das daraus folgende Auflösen von Grenzen beschreibt gleichzeitig die Hybridität des Ausstellungskonzeptes von MANA. Wir wollen keine Trennung zwischen virtueller und physischer Welt hervorrufen, sondern die Ebenen durchbrechen. Was im virtuellen Teil der Ausstellung ausgestellt ist, wird im physischen Teil ergänzt. Was im physischen Raum zu sehen ist, wird im virtuellen Raum beantwortet. 


Welche Bedeutung haben Kryprowährungen für Euch als Künstler:innen jetzt und in Zukunft?

Potentiale der dezentralen Infrastrukturen sowie ihre prinzipielle Unabhängigkeit sind Aspekte, mit denen wir zunehmend in Kontakt geraten. In Zukunft werden verschiedene Abhängigkeitssysteme wie das Internet of things oder smart contracts alltägliche Prozesse regulieren. Wir stehen dem neugierig gegenüber und implementieren viele dieser Strukturen in unsere künstlerische Praxis. Dennoch sind einige von uns den gegenwärtigen Entwicklungen gegenüber kritisch eingestellt, vor allem im Bezug auf die Kurzlebigkeit des „Hypes“ als ernstzunehmende Anlagentechnik. Wir beobachten Nfts, jedoch überzeugt uns der ästhetische Mehrwert dieses Mediums noch nicht ausreichend.


Zu guter Letzt eine Frage zur Finanzierung Eurer Ausstellung: Ermöglichen die bestehenden Förderprogramme die Realisierung digitaler Kunst oder wären hier Anpassungen wünschenswert?


Aufgrund der Covid-19 Pandemie fand zwangsweise eine Verlagerung der Kunst- und Kulturszene ins Digitale statt. Das Interesse und die Offenheit gegenüber digitaler Kunst stieg deswegen sowohl beim Publikum als auch bei den Förderprogrammen. Für die Erhaltung des Kunst- und Kultursektors entstanden so im letzten Jahr einige Förderprogramme, die besonderes Interesse an digitaler Kunst formulierten. Wir können uns daher in Bezug auf MANA für die Förderung und die dadurch entstandene Möglichkeit der Realisierung sowohl bei Bund als auch Land nur bedanken.

Über den Autor

Geschrieben von:

Silke Schmidt leitet den XR HUB Bayern an seinem Standort in München bei der Medien.Bayern GmbH. Zuvor war sie im Bayerischen Staatsministerium für Digitales im Bereich „Film, Games und XR“ tätig, im Bayerischen Wirtschaftsministerium in der Außenwirtschaft, bei der Europäischen Kommission als Nationale Expertin und im Bayerischen Umweltministerium.

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