

Kunst & Kultur
Kunst & Kultur
Künstlerin Tatjana Vall und das Kollektiv FORWEAREZERO aus der Akademie der bildenden Künste (Adbk) in München eröffneten am 17 Mai einen virtuellen interaktiven Ausstellungsraum der FOE Galerie München.
11 Künstler:innen der Akademie der Bildenden Künste in München verhandeln durch spekulative Experimente über eine mögliche Medizin der Zukunft: Biodigitale Ernährungsorgane, Nahrungsaufnahme, digitale Hypnose und gesellschaftspolitische Ansätze rund um das Konstrukt ‘Klinik’ werden in Gemälden und Skulpturen erforscht, interaktive Installationen, Interviews und u.a. performative Videoarbeiten gezeigt.
Das Projekt wird ein Jahr lang online bleiben und steht für Kooperationen und Diskussionen zur Verfügung.
Wir haben mit Tatjana Vall über dieses großartige virtuelle Ausstellungs-Projekt gesprochen:
Wir sind auf die Idee gekommen, unsere Ausstellung in den virtuellen Raum zu transferieren, da wir die Coronazeit nicht als Ausrede sondern als Chance gesehen haben, unser grobes Thema ‘Körperlichkeit der Zukunft’ auf eine im Kunstkontext noch unübliche Weise erfahrbar zu machen.
Die Landschaft hat sich an die Werke angepasst. Weil alles ja bei Null anfängt und die Möglichkeiten unbegrenzt sind, muss erst das Werk die Initialzündung zur Weltgestaltung geben. Die einzige Ausnahme: die ‘Eingangshalle’, der Raum mit den Kacheln und Säulen. Der Grundriss dieses Raums entspricht dem der Galerie FOE, in der die Ausstellung ursprünglich physisch stattfinden sollte.
In der Konzeptphase war die Wechselwirkung zwischen Präsentationsfläche und -wirkung essentiell. Wir haben es uns zur Herausforderung gemacht, das Medium Hub inhaltserweiternd zu nutzen um die künstlerischen Arbeiten in eine erweiterte Deutungsebene einzubetten. Also nicht schon wieder ein virtueller Rundgang, sondern die offene Auseinandersetzung mit der virtuellen Welt als Ausstellungs- und Interaktionsraum, innerhalb der einzelnen Werke wie auch in der Welt. Für Malerei und Grafik, die Arbeiten die es vermeintlich am einfachsten hatten, musste eine wenig herkömmliche, wenn nicht sogar in analoger Realität unmögliche Ausstellungssituation geschaffen werden. Fragen nach Größe, Entfernung, physischer Beschaffenheit, Kulturkontext und Assoziationen prägten dann die Kuration der Räume.
An der Idee und Umsetzung der Ausstellung war das Kollektiv Forwearezero beteiligt. Wir haben uns zu einer Gruppe interessierter Student*innen aus der ehemaligen Klasse Ingold gefunden, die zu Körperlichkeit der Zukunft eine Ausstellung konzipieren wollte. In unserer künstlerischer und kulturorganisatorischer Arbeit beziehen wir uns häufiger auf das xenofeministische Manifest, einem Text zur Chancengleichheit durch Technikmündigkeit.
Wir haben viel spannendes Feedback bekommen. Unsere Vernissage wurde durch einen Livestream befreundeter DJs unterstützt und wir hatten viele Besucher, obwohl teilweise die Server an ihre Grenzen geraten sind. Die sog. Barriere, langsames Internet oder die Navigation innerhalb der Räume möchten wir in Zukunft überbrücken und nach den Events die Inhalte als Alternative zum Hub auf unserer Website zur Verfügung stellen.
Dass sich Digitalkultur so viel mit Körperlichkeit beschäftigt, war uns am Anfang des Projekts nicht bewusst. Die Darstellung im rein Virtuellen spricht eine andere Art Sprache als die im Analogen, es werden andere Reize stimuliert, andere Dinge kommen deutlicher zur Geltung als im Analogen. Zufall kommt kaum vor, Entscheidungen aus dem Bauch erfordern konzeptionelle Versiertheit und sicheren Umgang mit den Programmen. Für uns ist das ein sehr spannendes Arbeitsfeld, da das Medium noch so jung ist und die Community die Entwicklung ausschlaggebend prägt.
Über unsere Seite forwearezero.org kann man die Ausstellung betreten, über dem ‘Eintrittsfenster’ stehen die Anweisungen. Unser Kollektivprojekt Forwearezero läuft ein Jahr lang und wird in Zukunft noch weitere Ausstellungen und Diskussionen hosten.