Kunst & Kultur

Fünf Fragen an Sabine Himmelsbach, Direktorin des HEK


HEK – Haus der Elektronischen Künste
Freilager-Platz 9 in 4142 Münchenstein / Basel, Schweiz

Wir nehmen zwei aktuelle Ausstellungen im HEK zum Anlass, mit der Direktorin, Sabine Himmelsbach zu sprechen:

Die Gruppenausstellung «Collective Worldbuilding – Kunst im Metaversum» präsentiert noch bis zum 13. August eine Auswahl von internationalen Künstlerinnen und Künstlern, die sich mit den Möglichkeiten eines dezentralen Internets auseinandersetzen, das mehr Selbstbestimmung, Dezentralisierung und Transparenz verspricht

Die koreanische Künstlerin und Designerin Yehwan Song ist eingeladen worden, ein neues Werk für den virtuellen Ausstellungsraum des HEK, virtual.hek.ch, zu realisieren. Das ist Online bis zum 03.09.2023 zu erleben.

Sabine Himmelsbach ist bereits seit 2012 Direktorin des HEK in Basel. Nach einem Kunstgeschichtsstudium in München arbeitete sie für Galerien in München und Wien, und in leitenden Positionen beim Steirischen Herbst Festival in Graz, am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe, im Edith-Russ-Haus für Medienkunst in Oldenburg und in Tallinn, Estland. Zu Themen der Medienkunst und digitalen Kultur ist sie international gefragt. Wir freuen uns, mit ihr über aktuelle Projekte zu sprechen.

1. Seit wann gibt es den Browser-basierten Ausstellungs- und Sozialraum, virtual.hek.ch und wie viele Ausstellungen gab es darin bereits?

Wir haben virtual.hek.ch im September 2022 gestartet. In der ersten Ausstellung präsentierten wir Werke aus unserer Sammlung, die auf Software und netzbasierte Kunst spezialisiert ist. «From the early Web to Web 3.0» zeigte anhand einiger Werke aus der Sammlung, die frühe Netzkunst ebenso umfasst wie NFTs (non-fungible-token), die Entwicklung des Internets vom Web 1.0 hin zum Web 3.0.

In der Pandemie intensivierten wir unsere Online-Aktivitäten, wir starteten beispielsweise die Reihe «HEK Net Works», kleine Auftragsarbeiten an Künstler:innen, die sich auf unserer Webseite manifestierten oder über unsere Social-Media Kanäle lanciert wurden. Wir haben dann überlegt, einen dauerhaften digitalen Ausstellungsraum einzurichten und die Plattform Common.garden, die der holländische Künstler Constant Dullaart initiierte, erschien uns ideal dafür. Dieser digitale Ausstellungsraum, den wir für virtual.hek.ch nutzen, ist Browser basiert und daher für jeden mit Internetzugang einfach zu besuchen und zu benutzen.

Mittlerweile gab es zwei weitere Ausstellungen. Die zweite internationale Gruppenausstellung «Who Is Online? Game Art in the Age of Post-NFTism» wurde von Anika Meier kuratiert und präsentierte Werke, die kritisch die neue Online-Kunstwelt kommentieren, in der die Blockchain und NFTs mit ihrem Spielcharakter längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden sind. Erst letzte Woche haben wir die dritte Ausstellung eröffnet, eine Einzelpräsentation der koreanischen Künstlerin Yehwan Song, die den Raum ganz anders bespielt.

2. Was erwartet uns bei der neuen Ausstellung der Koreanischen Künstlerin und Designerin Yehwan Song? Und welche Interaktionsmöglichkeiten bieten sich für die Nutzerinnen und Nutzer dabei?

Yehwan Song hat mit «Provisional Stage» eine großartige neue Arbeit für uns realisiert. Yehwan ist eine in Korea lebende Webkünstlerin und -designerin, die unkonventionelle Websites entwirft, die sehr oft das Nutzerverhalten unterlaufen und uns die zugrunde liegenden Mechanismen und Infrastrukturen bewusst machen, an die wir uns ständig anpassen, ohne sie zu hinterfragen. In ihren Arbeiten kritisiert sie die übermäßige Vereinfachung der meisten Nutzer:innen-Interaktionen, die das Internet zu einem einheitlichen Ort machen.

Wir haben uns vor zwei Jahren kennengelernt, als ich an dem Online-Projekt «Hybrid by Nature. Human Machine Interaction» für die Goethe-Institute in Südostasien gearbeitet habe und Yehwan eine wunderbare Website für die Ausstellung erstellt und auch mit einer großartigen neuen Arbeit dazu beigetragen hat. Ich war wirklich beeindruckt von ihrer einzigartigen Herangehensweise an das Webdesign und davon, wie sie Werke schafft, die virtuelle Räume mit den Erfahrungen der Nutzer:innen in den Offline-Räumen, in denen sie sich befinden, verbinden oder verschiedene Geräte wie den Desktop und das Mobiltelefon kombinieren, um sie gemeinsam für erweiterte Erfahrungen zu nutzen.

Dies hat sie auch für unsere Ausstellung gemacht. Der Raum ist von unterschiedlichen Scroll-Balken strukturiert, eine typische Web-Interaktion. Daneben gibt es noch zwei Augmented-Reality-Interaktionen, die über einen QR-Code aufgerufen werden. Hält man sein Handy auf den ersten Code, der mit «Yellow Stones» übertitelt ist, und hält es danach wieder vor den Bildschirm, tauchen in den Scroll-Balken leuchtende gelbe Steine auf. Schiebt man die Balken alle in die Mitte, generiert man immer mehr Steine. Man sieht auch wie andere User:innen interagieren und es dieses gemeinsame interagieren im Netz, was Yehwan damit anschaulich machen möchte. Der zweite QR-Code verlinkt mit der Website provisionalstage.online und hält man dann die Hand für die Kamera, taucht ein kleiner Avatar auf, der spielerisch mit uns interagiert.

3. Wie werden der virtuelle Raum und Veranstaltungen vor Ort miteinander verbunden?

Vernissage am 26. Juli 2023

Wir aktivieren den virtuellen Raum, indem wir dort eine Vernissage und Künstlergespräche durchführen. Die Plattform eignet sich auch ideal als sozialer Raum, indem man sich begegnen und unterhalten kann. Bei der Vernissage sind die Künstler:innen und Kurator:innen per Video zu sehen, aber auch unabhängig davon kann man mit anderen User:innen interagieren. Befindet man sich nahe an einer anderen Person, die als kleiner Punkt visualisiert ist, tut sich ein grauer Kreis auf und ermöglicht dann, dass man sich über ein Mikro unterhalten und auch sehen kann, wenn die Kamera eingeschaltet ist.

Virtual.hek.ch ist unser virtueller Ausstellungsraum und tatsächlich gibt es keine Verbindung zu unserem Programm oder Raum vor Ort in Basel.

4. Wie ist die Erfahrung mit virtuellen Ausstellungen – gefallen Sie den Besucher:innen?

Am meisten los ist natürlich bei den Eröffnungen und da hatten wir durchwegs positives Feedback. Bei den vorherigen Ausstellungen gab es auch eine Chat-Funktion, in der man Kommentare hinterlassen konnte. Aktuell gibt es dies nicht, da die Ausstellung von Yehwan als ein Kunstwerk geplant ist und wir den Raum nicht mit zusätzlichen Elementen stören wollten.

5. Was sind weitere Projekte und Pläne für die Zukunft?

Mitte September wird es schon die nächste Ausstellung geben und danach wollen wir den Raum auch für Experimente öffnen. Am 27. Juli haben wir unseren digitalen Freundeskreis «Friends of HEK» lanciert, der als DAO (dezentrale autonome Organisation) organisiert ist. Als erstes Museum führt das HEK eine tokenisierte Mitgliedschaft ein. Die tokenisierte Mitgliedschaft ist nichts anderes als eine digitale Mitgliedskarte, die auf der Blockchain gehostet wird. Sie ermöglicht eine sichere, verifizierbare Eigentümerschaft und bietet einmalige Gelegenheiten, sich zu engagieren. Das HEK-Token kann alternativ mit oder ohne eigene Krypto-Wallet erworben werden, sodass niemand außen vor bleiben muss. Die erste Edition des Tokens ist vom 27.07.23 bis 31.12.23 gültig. Sie kann zu einem reduzierten Preis von 0,04 ETH erworben werden, was in etwa 60 CHF entspricht. Wir sehen dies als einmaliges Angebot zur spielerischen Auseinandersetzung, Mitglieder:innen haben die Gelegenheit zu experimentieren und das Projekt in seiner frühen Entwicklungsphase mit zu gestalten. Zukünftige Editionen des HEK-Tokens sind jeweils ein Kalenderjahr gültig und werden 0,05 ETH kosten, was aktuell einem Betrag von umgerechnet 80 CHF entspricht.

Der Besitz eines Mitgliedschafts-Tokens berechtigt zur Mitbestimmung in «Friends of HEK» und gewährt Zugang zu exklusiven Online-Veranstaltungen und freien Eintritt in die Ausstellungen. Es geht uns dabei vor allem um Partizipation, darum, dass die Stimme unseres Publikums Gehör findet, und sich jede(r) an kollektiven Entscheidungsprozessen beteiligen kann. In Bezug auf virtual.hek.ch ist beispielsweise geplant, dass der Raum über die Mitglieder:innen von «Friends of HEK» gemeinschaftlich kuratiert wird – ein Experiment, auf das wir schon sehr gespannt sind.

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