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Fünf Fragen an das Forschungskonsortium PRIME


PRiMe – Privatheit im Metaverse

Das vom BMBF geförderte Projekt “PRiMe – Privatheit im Metaverse” mit einer Projektlaufzeit vom 1.7.2023 – 30.6.2026 will in fünf Schritten erforschen, wie neue virtuelle Welten mit Persönlichkeitsrechten und Datenschutz in Einklang gebracht werden können. Jura, Wirtschaftsinformatik, insbesondere Gamification, und Verbraucherschutz treffen hier aufeinander, um die Grundlagen für die Nutzung des Metaversums interdisziplinär zu durchdringen und Lösungsansätze zu entwickeln, die auch gesellschaftlich erprobt werden sollen.

Beteiligt sind ConPolicy – das Institut für Verbraucherpolitik, die Universität Bonn, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und die Georg-August-Universität Göttingen.

Wir unterstützen das Projekt und haben mit dem Forschungskonsortium über das Projekt, seine Motivation und die unterschiedlichen Kompetenzen, die zusammenkommen, gesprochen.

1 Was war Eure Motivation und was ist das Ziel des Projektes?

Dr. Sara Elisa Kettner, ConPolicy – Institut für Verbraucherpolitik

In der Vision der Tech-Konzerne werden Nutzer:innen zukünftig einen großen Teil ihrer Lebenszeit im Metaversum verbringen, dort konsumieren, kommunizieren und virtuell zusammenarbeiten. Sie werden etwa als Avatare miteinander interagieren und virtuelle Vermögenswerte besitzen. Analyst:innen sehen im Metaversum folglich ein neues gewaltiges ökonomisches Potenzial, so wie eine Durchdringung aller Bereiche unseres täglichen Lebens, unserer Kultur und Gesellschaft.

Neben alle ihren positiven Potenzialen geht die Vision des Metaversums jedoch mit vielfältigen Herausforderungen für die Privatheit einher.
Zum einen stellt sich die Frage, wie die Nutzer:innen in diesen hochgradig vernetzten Welten nicht vollends gläsern werden und der Datenschutz der Nutzer:innen gewährleistet werden kann. Zum anderen stellt sich die Frage wie Persönlichkeitsrechte im Metaversum geschützt werden können und sollten. Denn auch im Metaversum muss sichergestellt sein, dass beispielswiese sexuelle Belästigungen oder Beleidigungen nicht ungeahndet bleiben.

Vor diesem Hintergrund haben wir das Forschungsprojekt PriMe (Privatheit im Metaverse) gestartet und werden bis 2026 vom BMBF gefördert. Unser Ziel ist es, in der Frühphase der Entwicklung des Metaversums, im Forschungsprozess selbst sowie im Anschluss an das Vorhaben Bürger:innen einen informierten Diskurs über die Chancen und Risiken der Nutzung von Metaverse-Plattformen auf ihre Privatheit, Selbstbestimmtheit und den Datenschutz zu ermöglichen. Außerdem sollen Alternativkonzepte, Designanforderungen sowie Bewertungsmetriken für die Ausgestaltung privatsphäreschützender Metaverse-Inhalte entwickelt sowie Methoden für die Einbeziehung der Perspektive der Nutzer:innen in der Entwicklung von Designanforderungen für und im Metaversum erforscht und erprobt werden.

Zu unseren Teilzielen zählen:

a) Design und Evaluation von Benutzerschnittstellen und Designpraktiken, die es den Nutzer:innen ermöglichen, ihr Recht auf Privatsphäre im Metaversum effektiv wahrzunehmen und u.a. ihre Einwilligungen angemessen zu unterstützen und sich vor Belästigungen und Übergriffen zu schützen.

b) Entwicklung und Testung von Metriken zur Bewertung des Designs von virtuellen Inhalten auf Metaverse-Plattformen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Privatsphäre der Nutzer:innen, um u.a. Dark Patterns und Deceptive Designs im Metaversum Einhalt zu gebieten.

c) Erforschung und Erprobung von innovativen Gestaltungs- und Entwicklungsprozessen, mit deren Hilfe die Meinungen der Nutzer:innen hinsichtlich der genannten Benutzerschnittstellen und Metriken sowohl mittels klassischer Methoden der Usability-Forschung als auch mit Hilfe von Methoden, die im Metaversum selbst eingesetzt werden, erhoben werden können.

2. Wer sind die Projektpartner? D.h. wer bringt welche Kompetenzen mit ein?

Dr. Sara Elisa Kettner, ConPolicy – Institut für Verbraucherpolitik

Uns war besonders wichtig, dass wir das Projekt in einem interdisziplinären Team umsetzen. Für den Projekterfolg sind aus unserer Sicht unterschiedliche Kompetenzen aus den Bereichen Metaverse-Plattformen, Datenschutz- und Persönlichkeitsrecht, empirische Sozialforschung, Gestaltung von Benutzerschnittstellen sowie Gestaltung von Metriken vonnöten. Überdies benötigen wir Expertisen zu datenschutzkonformen und verbraucherfreundlichen Designanforderungen bei Einwilligungen, zu Dark Patterns und Deceptive Designs, Privatsphäre-Schutz-Assistenzsystemen sowie Gamification und Serious-Games-Ansätzen zur Vermittlung von Wissen und der Steigerung des Bewusstseins für Datenschutz und Persönlichkeitsrechte.

Das ConPolicy-Institut für Verbraucherpolitik leitet das Projekt und bringt sich mit seiner Expertise im Bereich Behavioral Insights, Deceptive Designs und innovative Datenschutzmanagement-Ansätze ein. Zudem treiben wir die Dissemination der Ergebnisse voran und verantworten die Bürger:innen-Kommunikation. Die Forschungsgruppe für Gamification am Institut für Wirtschaftsinformatik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)  ergänzt durch ihr tiefgehendes Fachwissen über Metaverse-Plattformen und Kompetenzen in der Entwicklung von digitalen Inhalten auf Metaverse-Plattformen. Hinzu kommen unsere juristischen Partner; das ist zum einen der Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Wettbewerbs- und Immaterialgüterrecht, Medien- und Informationsrecht an der Universität Göttingen, der auf die datenschutzrechtlichen Fragestellungen fokussiert und seine umfassende Expertise einbringt. Zum anderen beteiligt sich der Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Recht der Datenwirtschaft, des Datenschutzes, der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz an der Universität Bonn, bringt sein Fachwissen ein und behandelt Fragen des Persönlichkeitsrechts, die eng mit dem Datenschutz verzahnt sind, aber unterschiedliche Problemstellungen aufwerfen.

3.       Wie kann man sich an dem Projekt beteiligen?

Dr. Sara Elisa Kettner, ConPolicy – Institut für Verbraucherpolitik

Wir wünschen uns für das Projekt eine möglichst breite Beteiligung. Unser Ziel ist es, die Ergebnisse und Lösungen nicht einfach im stillen Kämmerlein auszuarbeiten, sondern durch Inputs von Nutzer:innen, aber auch von Plattformanbietern, Entwickler:innen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik, ein hilfreiches Feedback für unsere Lösungen zu erzielen.

Die Akteursgruppen werden dabei auf vielfältige Art und Weise involviert. In unseren Projekt-Workshops laden wir bspw. Expert:innen aus unterschiedlichen Bereichen ein und diskutieren die Chancen und Risiken des Metaverse für die Privatsphäre. Zudem haben die Projektpartner von der FAU bereits begonnen, Expert:innen in Interviews zu befragen, um damit einen Überblick über eben diese Chancen und Risiken zu gewinnen.

Kontinuierlich werden zudem auch Bürger:innen eingebunden. Zum einen in unseren Befragungen und Experimenten, zum anderen aber auch indem wir sie zu unseren Workshops ins offene Innovationslabor JOSEPHS in Nürnberg einladen und zu Ihren Bedürfnissen für den privatsphärefreundlichen Einsatz im Metaverse befragen.

4. Welche weiteren Fragen findet Ihr interessant im Zusammenhang mit der Privatheit des Metaversums?

Prof. Dr. Andreas Wiebe, LL.M. , Universität Göttingen

Interessant wird aus datenschutzrechtlicher Sicht unter anderem sein, wie die zahlreichen neuen Datenquellen von VR-Brillen bis Wearables für das Tracking der User genutzt werden wird. Ferner stellt sich womöglich die lästige Frage der sogenannten Cookie-Banner im Metaverse in einer neuen Dimension. Wer durch eine immersive, virtuelle Welt reist, wird sein Erlebnis nicht von Bestätigungsklicks und seitenlangen Datenschutzerklärungen stören lassen wollen. Trotzdem einen verantwortungsvollen Umgang mit den eigenen Daten sicherzustellen, ist von entscheidender Bedeutung.

Prof. Dr. Louisa Specht-Riemenschneider, Universität Bonn

Das Metaversum bietet unendlich viele Möglichkeiten. Spannend ist dabei auch, wie sich Nutzer:innen im Metaversum entfalten und miteinander interagieren, etwa mit dem Aussehen der Nutzer:innen nachempfundenen Avataren. Wie wird Privatheit im Metaversum funktionieren? Wie gehen die Plattformen mit den Nutzerdaten um? Auch im Metaversum haben die Menschen Persönlichkeitsrechte, die es zu schützen gilt. Das wollen wir im Zuge des Projekts näher beleuchten.

5. Wann glaubt Ihr, wird das Metaversum in den Alltag und das tägliche Arbeitsleben Einzug halten?

Prof. Dr. Benedikt Morschheuser, FAU

Das Metaversum, wie es als Vision in Science-Fiction-Romanen beschrieben wird, existiert heute noch nicht. Allerdings gibt es verschiedene Plattformen, die als Vorläufer eines potenziellen Metaversums betrachtet werden. Plattform wie Roblox, Minecraft, Meta Horizon Worlds oder Fortnite Creative, auf denen sich Menschen in der Form von Avataren in nutzergenerierten 3D-Welten treffen, um gemeinsam Spiele zu spielen, neue Kontakte zu knüpfen, Güter zu kaufen, oder Informationen zu teilen, haben in den letzten Jahren große Beliebtheit erlangt und finden schon heute Einzug in unseren Alltag. Parallel dazu entwickeln verschiedene Unternehmen neue, metaversale Innovationen für die Zukunft der Arbeit. Von virtuellen Fabrik- und Produktsimulationen, über neue Formen der immersiven virtuellen Zusammenarbeit und die Nutzung von Avataren in fiktiven Bürogebäuden, bis hin zu detailgetreuen Echtzeitvisualisierungen auf der Basis digitaler Zwillinge, findet sich in Unternehmen schon heute eine große Bandbreite an Innovationen und Lösungen, die uns eine Inspiration liefern, wie das Metaversum das Arbeitsleben verändern könnte.

Wir verstehen daher die Schaffung des “Metaversums“ und dessen Durchdringung von Alltag und der Arbeitswelt eher als einen Prozess, der nicht an ein genaues Datum geknüpft werden kann.

Da wir uns jedoch bereits mitten in diesem Prozess befinden, sehen wir es als besonders relevant an, uns in der Frühphase der Entwicklung und Verbreitung des Metaversums mit den potenziellen Auswirkungen dieses Phänomens auf unsere Privatsphäre zu beschäftigen und Nutzer:innen, Entwickler:innen und Betreiber:innen metaversaler Dienste das nötige Wissen und Lösungen für die Schaffung eines Privatsphäre-freundlichen Metaversums an die Hand zu geben.


Wir danken für den Einblick und werden das Projekt weiter eng verfolgen und unterstützen!

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