Kunst & Kultur

The Loves of Aeneas and Dido


Die Hochschule für Musik Nürnberg feierte am 14.1.2023 um 19.30 Uhr im Rahmen der TAGE ALTER MUSIK Premiere der Barockoper “The Loves of Aeneas and Dido” von Henry Purcell. Eine zweite Vorstellung war am 15.1.2023 um 16 Uhr. Beide Aufführungen fanden im ORCHESTERSAAL der Hochschule für Musik Nürnberg, Veilhofstraße 34, 90489 Nürnberg, statt.

Mitwirkende: Studierende der Hochschule für Musik Nürnberg
Musikalische Leitung: Prof. Knut Schoch
Regie: Benjamin Schad
Ausstattung: Johanna Deffner

Warum „The Loves of Aeneas and Dido”?

Der Titel mag irritieren, ist doch Purcells Oper allgemein unter dem Titel „Dido and Aeneas“ bekannt. Warum diese vermeintlich „neue Fassung“ Purcells Ursprungsidee jedoch sogar näherkommt als die bekannte Fassung „Dido and Aeneas“, hat folgenden Hintergrund: Purcells Originaloper wurde zu seinen Lebzeiten nur ein einziges Mal in einem Mädchenpensionat aufgeführt und galt später als verschollen. Eine Abschrift, die handschriftlich mit „The Loves of Aeneas and Dido“ betitelt ist, wird seither als Henry Purcells „Dido and Aeneas“ aufgeführt. Was jedoch noch in seiner Ursprungsform erhalten ist, ist das Libretto von Nahum Tate, welches zeigt, dass wohl an einigen Stellen Instrumental- und Vokalstücke eingebaut waren, die man in der Abschrift nicht übernommen hatte. Libretti hatten besonders bis ins 18. Jahrhundert eine große Bedeutung. Librettisten waren meist angesehene Dichter und nicht selten trat der Komponist und die Musik sogar hinter dem Librettisten und dessen Texten zurück. So ist auch Tates Libretto für uns eine wichtige Quelle dessen, wie die Oper zu Purcells Zeiten gedacht war, komponiert und aufgeführt wurde.

Knut Schoch, Professor in Nürnberg für Gesang mit Schwerpunkt auf historische Aufführungspraxis, konzipierte daher unter dem Titel „The Loves of Aeneas and Dido“ eine Fassung, die sich sehr eng am originalen Libretto orientiert. Dafür wählte er aus Purcells szenischen Kompositionen einzelne Stücke aus, die bezüglich der Tonart, der Motivik und des Charakters an die Stellen passten, die im Libretto als Zwischenspiele gekennzeichnet, in der Abschrift jedoch nicht berücksichtigt waren.

Komponist und Werk

Henry Purcell (1659-1695) gilt bis heute als einer der bedeutendsten englischen Komponisten der Barockzeit. Er wurde in eine musikalische Familie hineingeboren und wuchs als Sängerknabe der „Royal Chapel“ auch bald in die königlichen Kreise Londons hinein. Mit nur 20 Jahren wurde er bereits Organist des Westminster Abbey und vier Jahre darauf zusätzlich Organist der Royal Chapel. In den folgenden zwölf Jahren bis zu seinem frühen Tod, schuf er zahlreiche Werke für Chor, Orchester, Kammermusik oder Klavier. Er komponierte neben geistlicher Musik und Musik für königliche Anlässe auch Opern. Die erste englische Oper überhaupt, stammt aus seiner Feder: „Dido und Aeneas“. Als einzige durchkomponierte Oper, noch orientiert an der traditionellen englischen „masque“, kann man sie unter Purcells Opernschöpfungen als Besonderheit bezeichnen, war Purcell doch vor allem für seine „semi-opera“ bekannt. Diese erlebte Anfang der 1690er Jahre unter Henry Purcell ihren Höhepunkt. „The Fairy Queen“ oder „The Indian Queen“ waren solch halb gesprochene, halb gesungene Opern, die sich auf dem Fundament der Shakespear´schen engen Verwebung von Musik und Schauspiel entwickelten. Trotz englischer Nationalität wurden auch Purcells Opern stark von den italienischen Opern beeinflusst, was beispielsweise hörbar ist an ungewöhnlichen, gewagten Harmonien oder monodischen Teilen, die an Monteverdi erinnern. Auch die Teilung in drei Akte geschieht nach italienischem Vorbild, wohingegen die Vielzahl an Tänzen und Chören eher englischer Tradition entstammt.

„Dido und Aeneas“ schrieb Purcell 1689 für das Pensionat für Edelfräulein in Chelsea. Dort wurde die Oper von den Schülerinnen uraufgeführt, vermutlich unterstützt durch Berufsmusiker.  Den Text für die Oper lieferte Nahum Tate, der als Vorlage für das Libretto Vergils vierten Gesang des Aeneis nutzte. Allerdings handelt es sich nach Vergil bei der Gegenspielerin von Dido um die Göttin Juno, während sie bei Tate durch Hexen ersetzt wird. Hexen hielt man zu dieser Zeit in England noch für reale, verabscheuungswürdige Wesen, deren Erscheinung im Theater einen gewissen Reiz auf das Publikum ausübte. Ein weiterer Grund für Junos Auswechslung war, dass Dido keine Konkurrenz in Form einer schönen Göttin bekommen, sondern die alleinige Aufmerksamkeit auf sich ziehen sollte.

Zum Inhalt der Oper

In drei Akten erzählt Purcells Oper von der tragischen Liebe zwischen Dido, Königin von Karthago und Aeneas, einem trojanischen Helden, der auf seiner Reise nach Italien Zwischenhalt in Karthago macht. Beide sind hin und hergerissen zwischen sehnsüchtiger Liebe zueinander und einem zu großen Pflichtbewusstsein, um dieser Liebe nachzugeben. Dido hatte nach dem Tod ihres Gemahls geschworen, fortan der Liebe zu entsagen und alleine zum Wohl ihres Volkes zu leben. Aeneas hingegen soll den Befehl des Zeus ausführen und seine Reise nach Italien sofort fortsetzen. Dass dahinter böse Hexen stecken, die gemeinsam den Plan ausgeheckt haben, Dido und damit Karthago zu zerstören, indem sie ihr unerträglichen Liebeskummer bescheren, ahnen Dido und Aeneas nicht.


Während sich der erste Akt im königlichen karthagischen Hofstaat abspielt, wo Belinda, die Schwester Didos und deren Helferin, im Libretto nur als 2nd Woman bezeichnet, mit allen Mitteln versuchen, Dido aufzuheitern und sie zu ermutigen, ihren Gefühlen gegenüber dem trojanischen Helden nachzugeben, unternimmt die königliche Gesellschaft im zweiten Akt einen Ausflug. Noch bevor sich die Gesellschaft auf den Weg macht, erscheinen Hexen und andere böse Wesen, die gemeinsam den Plan schmieden, die Königin und Karthago noch in der Nacht zu Fall zu bringen. Dido und Aeneas haben sich inzwischen angenähert und befinden sich gemeinsam auf der Jagd, als unheimliche Vorzeichen, wie der blutende Kopf eines Ungeheuers, das Aeneas erlegt hat, oder ein aufziehendes Unwetter die Stimmung trüben und den Hofstaat zurück zum Schloss fliehen lassen.

Aeneas bleibt alleine zurück und erhält vom „Sorcerer“ in Gestalt des Zeus den Befehl, noch in der Nacht aufzubrechen, fort von Karthago. Schweren Herzens teilt er Dido mit, dass er sie auf Geheiss des Zeus noch in der Nacht verlassen müsse. Dido, zutiefst gekränkt von der Aeneas´ Entschluss, wahrt doch ihren königlichen Stolz und lässt ihm keine Wahl mehr, sich wieder umzuentscheiden. Denn Aeneas beschließt tatsächlich, sich dem göttlichen Befehl zu widersetzen und bei Dido zu bleiben, als er ihre Verletzung spürt. Doch sie schickt ihn vehement fort. Dabei ist Dido bewusst, dass das ihren Tod bedeutet, denn sie kann ihre Qualen nicht länger ertragen. Direkt nach Aeneas´ Abreise stirbt Dido.


Informationen zu Herkunft und Studienfach der Mitwirkenden:

Zusatzinformationen zu Herkunft und Studienfach der Mitwirkenden

DIDO, Queen of Carthage: Anne Barkowski, Fürth, Master Barockgesang

BELINDA, her sister: Eline Bosma, Utrecht, Niederlande, Master Musiktheater

2nd WOMAN: Hannah Rösler, Nürnberg, Master Barockgesang

AENEAS, a Trojan Prince: Kengo Nodera, Tokio, Japan, Master Barockgesang

SORCERER, SPIRIT: Hayato Masuda, Nagasaki, Japan, Master Barockgesang

1st WITCH: Annemarie Koller, Regensburg, Bachelor Gesang KPA

2nd WITCH: Graciela Rivera Quiroz, Mexiko-Stadt, Master Liedgestaltung

1st SAILOR: Miriam Fußeder, München Bachelor Gesang

CHORUS:
Tim Deutges, Bernau am Chiemsee, Bachelor Laute
Ulrich Pfalzgraf, Augsburg, Bachelor Gesang
Rosa Lucia Matos Mendoza, Bachelor Violine KPA
Jing Hu, Hangzhou, China, Master Chorleitung
Marie Rettig, Hessen, Bachelor Gesang
Kilian Stein
Lars Amann
Alfons Brandl
Thilo Stute

Violine 1:                                          
Lina Charlotte Jarvers, Freiburg im Breisgau, Master Barockvioline
Minghui Liu, China, Bachelor Barockvioline
Anne Röhrig, Professorin für Barockvioline

Violine 2:
Franziska Kiesel, Regensburg, Bachelor Barockvioline
Dimitrios Karagkiouloglou, Griechenland, Bachelor Violine KPA
Henry Cain, Berlin, Violine KPA

Viola:                             
Ulla Bundies, Dozentin für Barockvioline
Benedikt Holnaicher, München, Master Barockviola

Flöte 1: Fiona Zimmermann, Nürnberg, Bachelor Blockflöte

Flöte 2: Alexander Ebert, Weimar, Bachelor Blockflöte, Master Dirigieren

Violoncello:
Anna Rudolph, Landau/Pfalz, Master Barockcello
He-Ting Wong

Viola da Gamba:                             
Marie DuBuclet, Rostock, EMP mit Zusatzfach Viola da Gamba

Gitarre: Maryna Kitashkina (Tanz), Region Luhansk, Ukraine, Barockgitarre

Arciliuto: Diego Chacón Gámez, Spanien, Master Laute

Theorbe: Oleg Chukhlieb, Charkiw, Ukraine, Laute KA

Orgel: Mahtab Ebrahimghasri, Tehran, Iran, Bachelor Cembalo

Cembalo, Korrepetition: Dominik Heidl, Bachelor Cembalo

Percussion: Jinxuan Li, Ben Hartmann



TITELBILD: Melissa Porzner
WEITERE FOTOS: Sören Balendat

Über den Autor

Geschrieben von:

Master Barockgesang

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