Feuilleton

Biolum goes SXSW


Das VR-Projekt „Biolum“ feiert in diesem Jahr Weltpremiere auf der SXSW in Austin, Texas. Dabei tauchen die Nutzerinnen und Nutzer in der Rolle einer Meeresbiologin in das Labyrinth in den Tiefen des Meeres. Sie entdeckt dort Lebewesen, die sonst eigentlich nicht leuchtend sind, hier aber in der totalen Finsternis Licht erzeugen können. Grund dafür ist ein außerirdischer Parasit, der sich auf diese Weise einnistet, um Lebewesen zu steuern und damit die Menschen daran hindern will, die Umwelt weiterhin zu zerstören.

Biolum“ ist ein cineastisches VR-Erlebnis, das – inspiriert von der Schönheit der Tiefsee – die Grenzen zwischen biologischer Wahrheit und Science-Fiction verwischt. Die Experience ist narrativ angelegt. Regie führte Abel Kohen, Jon Rowe hat das Script verfasst. Produziert wurde „Biolum“ von Katharina Weser und Georg Neubert (Reynard Films) in Kooperation mit IKO Paris und Prefrontal Cortex Halle. Der FFF Bayern hat das Projekt mit 26.000 Euro gefördert.

Wir haben mit Katharina Weser von Reynardfilms über die Entstehung des Projekts bis zur Weltpremiere auf der SXSW gesprochen.

Ihr feiert mit eurem VR Projekt „Biolum“ Weltpremiere bei der SXSW. Was steckt eigentlich hinter dieser Experience und wie ist die Idee dazu entstanden?

Die Idee ist von Abel Kohen, einem türkisch-französischen Compositing Artist, der schon immer von der Tiefsee begeistert war und in seiner Freizeit gerne TED Talks von Edith Widder über das „glühende Leben in der Unterwasserwelt“ guckt. Diese Talks haben ihn zu unserer Geschichte inspiriert, und das Großartige ist, dass es VR ermöglicht, die Betrachter in die Hauptrollen der Geschichte zu versetzen: Rachael als erfahrene Taucherin, die den Abgrund erforscht, und Eva als Expeditionsleiterin und renommierte Meeresforscherin und Mentorin. Wir bringen die Betrachter mit unserer Geschichte zudem an Orte, die sie real nicht erreichen würden. Ich als Produzentin fand das total krass, dass 99% der Weltmeere bis heute noch gar nicht erforscht sind. Deshalb war es mir auch wichtig, dass „Biolum“ auf biologischen Fakten basiert – wenngleich es am Ende trotzdem in erster Linie eine Sci-Fi / Horror VR Experience ist, die unterhalten soll.

Foto: Biolum

„Biolum“ wurde vom FFF Bayern mit 26.000 Euro gefördert.  In welcher Phase eures Projekts habt ihr die Förderung bekommen und wie lief der Auswahlprozess? Was hat euch diese Förderung letztendlich ermöglicht?

Wir wurden, weil wir eine narrative VR sind, von der Filmförderung unterstützt und nicht aus dem XR-Topf. Da hat ganz normal eine Jury ihre Auswahl getroffen, wir haben unser Dossier hingeschickt und dann eben irgendwann eine Antwort bekommen. Wir waren schon recht gut finanziert als wir in Bayern beantragt hatten und hatten auch schon einen Plan, wie die Produktion ablaufen sollte. Da wir nach der FFF Förderung voll finanziert waren, könnte man sagen, dass der FFF unser Gap Financing war. Bela Csampai, ein großartiger 3D Artist, hat für uns die Höhle für die Experience gestaltet, und Julio Quiroz hat die Umsetzung in der Game Engine vorgenommen. Ohne die beiden wäre das Projekt nicht realisiert worden und wir wären nun nicht in den USA präsent.

Wie seid ihr bei der SXSW gelandet und was sind eure Ziele bei der SXSW?

Wir wollten unbedingt die Premiere von „Biolum“ bei einem der aus unserer Sicht bedeutsamsten fünf international wichtigsten VR-Festivals haben. Wir freuen uns sehr, dass es uns gelungen ist, nun bei der SXSW dabei zu sein. „Biolum“ läuft in der Sektion Virtual Cinema Competition. Wir sind sehr gespannt auf das Feedback während des Festivals und hoffen, dass eine der großen Plattformen unser Projekt zeigen will und Käufer auf uns aufmerksam werden.

Und was habt ihr als nächstes vor?

Wir hoffen darauf, möglichst vielen Interessierten unsere Experience zeigen zu können. Wir freuen uns über Kontakte zu Festivals. Längerfristig streben wir die Distribution über die großen Plattformen an.
Auf jeden Fall möchte ich wieder eine narrative VR produzieren. Ich habe ein konkretes Projekt im Auge, über das ich im Moment noch keine Details sagen kann, es wird aber auch wieder eine deutsch-französische Produktion werden. Diesmal habe ich vor, den Hauptteil der Produktion nach Bayern zu verlagern. Aber das ist alles noch Zukunftsmusik, wir werden frühestens 2022 in Produktion gehen, denke ich.

Was ist euer größtes Learning aus der Corona-Krise?

Einerseits ist Virtual Reality ja jetzt nicht unbedingt ein „Opfer“ der Corona-Krise, auch wenn für mich noch nicht ganz klar ist, ob die Krise für VR der Motor sein könnte, der der VR endlich zum vollständigen Durchbruch hilft. Andererseits bin ich als Mutter von zwei Kindergartenkinder wohl der klassische Verlierer der Krise. Ich habe Glück, weil mich mein Partner besonders zu Momenten wie der SXSW bei der Kinderbetreuung sehr entlastet. Gelernt habe ich glaube ich, dass man sich generell auf nichts mehr zu hundert Prozent verlassen sollte und immer einen Back up Plan haben sollte. Dass man seine Pläne flexibel gestaltet und sich nicht so sehr auf eine Sache einschießt.

Nachtrag: Das Projekt „Biolum“ hat im Rahmen des Film Festivals der SXSW Online den Audience Award in der Kategorie Virtual Cinema gewonnen. Die Jury der Virtual Cinema Competition war mit Myriam Achard (PHI Centre, PHI Foundation for Contemporary Art), Jesse Damiani (Nxt Museum, Forbes), Liz Rosenthal (Venice VR Biennale von Venedig, CreativeXR, Power to the Pixel) hochkarätig besetzt. Wir gratulieren dem Gewinnerteam ganz herzlich!

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