Kunst & Kultur

5 Fragen an Thomas Mahnecke, Video & Digital Media Artist


Thomas Mahnecke ist selbstständiger Video & Digital Media Artist und Videodesigner am Staatstheater München am Gärtnerplatz. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt er sich mit der Erstellung komplexer Multimedia-, interaktiver Video- sowie dreidimensionaler Rauminstallationen.

Er entwickelte ein Mediensystem, um digitale Inhalte durch Zuschauer umschließende immersive 3D-Projektionen in einem dreidimensionalen holografischen Umfeld präsentieren zu können.
Mit dem Projekt „Holographic Studys Part 1“  ist er vom 6.12 bis 12.12 im Rahmen des Hi!A Festival für Kunst und Forschung in Bayern im VRlab des Deutschen Museum zu sehen.

Wir haben mit Thomas über seine Projekte und aktuelle Entwicklungen gesprochen:

Wie bist Du dazu gekommen, das Mediensystem zu entwickeln, mit dem Du aktuell arbeitest?

Dreidimensional durch 3D-Beamer oder LED-Walls projizierte Bühnenbilder werden dem Publikum derzeit selten in Theateraufführungen, Unterhaltungsshows oder Museen geboten. Einzig in 3D-Kinofilmen können Zuschauer diese dreidimensionalen Welten regelmäßig außerhalb einer VR-Welt erleben. Das liegt zum einen an den komplizierten technischen Möglichkeiten und zum anderen an dem umfangreichen Produktionsaufwand. Viele verschiedene Hard- und Software-Systeme müssen dafür eingesetzt werden. Besonders das Anpassen und Ändern einer fertig gerenderten 3D-Szene für das digital projizierte Bühnenbild, erfordert einen großen Zeitaufwand und Kosten. Die Integration von interaktiven Elementen, wie zum Beispiel der live-Einsatz von Motion Capture Systemen oder anderen Tracking Systemen und Interfaces zur Entwicklung interagierender Szenen ist eine technisch anspruchsvolle Herausforderung.
Auch in Museen sind immer mehr echte Multi-User-Erlebnisse gefragt, in denen kontaktlos mehrere Besucher gemeinsam interagieren können und eine 3 dimensionale Welt außerhalb -real- und -virtuell- mit VR-Brillen wahrnehmen können. 
Unser Medien-System wurde für diese Ansprüche realisiert und steht auch gerne bei Bedarf anderen interessierten Künstlern zur Verfügung.

Die heutigen professionellen Medienserver / Multidisplay und Mapping Systeme sind in der Regel sehr kostspielig in der Anschaffung und meist geschlossene Systeme. Wenn man sich -wie ich- mit digitaler Kunst, dem Einsatz von XR-Technologien, 3-dimensionalen immersiven Projektionen, interaktiven audiovisuellen Multidisplay-Medieninstallationen und deren Steuerung beschäftigt, kommt man sehr schnell an die Grenzen des Machbaren. Diese Systeme arbeiten zwar sehr stabil und zuverlässig, wenn es aber darum geht, XR Technologien, stereoskopische Multidisplay Projektionen und verschiedenste Sensoren oder Interfaces einzusetzen, scheitern sie – denn sie besitzen meist nicht die Fähigkeit, experimentell mit anderen Technologien zu arbeiten. 

Deswegen habe ich über ein XR.Förderprojekt des FFF-Bayern und der Unterstützung der Firma Okulon spezialisiert auf immersive Visualisationen und  dem Unternehmen Mifcom, die Gaming Computer in allen Leistungsklassen herstellen und vertreiben, ein Mediensystem entwickelt, das genau meinen Anforderungen als Digital Media Artist entspricht. 
Es besitzt alle Eigenschaften professioneller Medien-Systeme, ist in der Lage, über 10 Display Ausgänge 2D und 3D stereoskopisch Medien darzustellen und kommuniziert mit fast allen Interfaces, die man an einen Computer anschließen kann.

Das wichtigste für mich aber ist, dass ich ein System nutzen kann, mit dem ich das künstlerische Potential voll ausschöpfen kann und nicht immer wieder neue technische Lösungen finden muss.


Wie bist Du auf die Idee gekommen?

Stellen wir uns vor, die visuellen Grenzen zwischen Live-Performance auf der Bühne, Projektionen und Publikum lösen sich auf. Der Raum, das Bühnenbild und die Darsteller verschmelzen zu einer einzigen, visuell wahrnehmbaren, dreidimensionalen „Hyperwelt“. Hier in diesen hybriden, real-virtuellen Welten liegen neue, ungeahnte Optionen für Theater, Show und musealen Entwicklungen. Auch neuartige digitale und interaktive museale Multi-User-Ausstellungs-Szenarien und Erlebniswelten können so einfacher entwickelt und in Live Events umgesetzt werden.

Ziel meiner Entwicklung war es, die Voraussetzung zu schaffen, um neuartige real-virtuelle Medien. Szenarien zu kreieren und einer Echtzeitdarstellung eines 3D-digital-projizierten Bühnenbildes bei zeitgleicher Interaktion mit Licht-, Ton- und Bühnen-Steuerungssystemen. Eine echte Multi User-Interaktion der Darsteller:innen auf der Bühne und der Zuschauer:innen. Für Medienkünstler:innen, Regisseur:Innen ebenso wie für Choreograph:innen und dem Publikum erschließen sich so nahezu endlose Dimensionen, die unsere Wahrnehmung herausfordern und die Fantasie beflügeln. Durch den Einsatz moderner Motion-Tracking Systeme, die in Echtzeit an digitale Avatare oder Partikelsysteme gekoppelt sind, gewinnt z.B. im zeitgenössischen Tanz die Choreographie Dimensionen und Bewegung Schöpfungen, deren Vorstellungskraft nur wir selbst Grenzen setzen. Gemeinsam mit ihnen tauchen wir ein in den dreidimensionalen „Hyperraum“ ein, in dem alles möglich ist und Raum und Zeit sich aufgelöst haben


Was hast Du bereits für Inhalte umgesetzt?

Bereits seit mehr als 20 Jahren beschäftige ich mich als Video und Digital Media Artist schwerpunktmäßig mit der Erstellung komplexer Multimedia-, interaktiver Video- sowie dreidimensionaler Rauminstallationen. Gemeinsam mit meiner Frau, der Choreografin und Regisseurin Angelika Meindl Mahnecke, entwickeln wir komplexe Video Installationen, die auf einzigartige Weise modernste Medientechnologie, 3D-Projektionen und zeitgenössischen Tanz zu einem Gesamtkunstwerk verbinden.

Seit 2012 arbeite ich noch neben meiner freiberuflichen Arbeit als Videodesigner am Staatstheater am Gärtnerplatz in der Videoabteilung und habe dort über 20 großformatige Bühnenprojektionen entworfen. Auf meiner Website könnt Ihr einen Überblick über meiner Arbeiten bekommen.


Wofür kann man das System noch nutzen und was muss man tun, wenn man mit Dir zusammen arbeiten will?

Zur Zeit setze ich das System für das Projekt „Holographic Studys Part 1“  vom 6.12 bis 12.12 im Rahmen des Hi!A Festival für Kunst und Forschung in Bayern im VRlab des Deutschen Museum ein. Dort kann uns jeder besuchen und sich ein Bild dieser neuen Möglichkeiten machen.

Unsere Projektstudie beschäftigt sich damit, verschiedene visuelle Darstellungsformen in einem musealen Umfeld zu Präsentieren. So zum Beispiel digitale Inhalte in einem dreidimensionalen holografischen Umfeld. Dies wird möglich durch eine die Zuschauer umschließende immersive 3D-Projektionen. Der Raum, das Objekt und die Besucher*Innen dieser Installation verschmelzen zu einer gemeinsamen visuell wahrnehmbaren dreidimensionalen Welt. Wir zeigen, wie wir aus einem VR-Projekt, das normalerweise nur durch eine VR Brille betrachtet werden kann, eine immersive Raumprojektion mit 5 Projektoren machen, damit mehrere Besucher das sehen können, was sonst nur mit der VR-Brille sichtbar ist.

Ausserdem zeigen wir Ausschnitte einer immersiven, interaktiven, bewegungsgesteuerten 3D-Videotanzperformance. Mit Hilfe eines Motion Capture Anzuges werden die Bewegungsdaten einer Tänzerin in Echtzeit an eine Game Engine gesendet das ein fantastisch anmutendes Partikelsystem von Tobias Gremmler animiert. Ein uns umgebendes Energiefeld  der sogenannte negative Raum wird sichtbar macht. Das ganze mit 5 Projektoren immersiv und 3D dargestellt. Meines Wissens ist das so noch nie gezeigt worden.

Also für alle die sich mit dieser Art von digitaler Kunst beschäftigen oder sich einen Überblick technischer Möglichkeiten verschaffen wollen, ist diese Ausstellung sicher sehr interessant – denn wir zeigen nicht nur die Visualisationen sondern erklären auch wie es geht.

Über meine Website https://www.thomasmahnecke.com/ kann man mit mir Kontakt aufnehmen. 


Was hast Du als nächstes vor?

Die nächsten Projekte werden sicher sehr spektakulär. Meine Frau und mein Team sind im Moment noch In der Entwicklungsphase. Wir arbeiten wieder an Projekten, in dem es um immersive dreidimensional dargestellte interaktive Installationen geht. Ich bin sehr gespannt auf die Zukunft und freue mich schon auf interessante Gespräche im Rahmen der Ausstellung. 

Über den Autor

Geschrieben von:

Silke Schmidt leitet den XR HUB Bayern an seinem Standort in München bei der Medien.Bayern GmbH. Zuvor war sie im Bayerischen Staatsministerium für Digitales im Bereich „Film, Games und XR“ tätig, im Bayerischen Wirtschaftsministerium in der Außenwirtschaft, bei der Europäischen Kommission als Nationale Expertin und im Bayerischen Umweltministerium.

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