Feuilleton

5 Fragen an Oliver Czeslik von „Mind the Brain!“


Mind the brain! – Eine virtuelle Reise durch unser Gehirn

Live mit den eigenen Gedanken tanzen – wer möchte das nicht? Mit der neuroreaktiven VR-Installation Mind The Brain! können Besucher:innen ihre verborgenen inneren Bilder sichtbar machen. Durch ein VR-Headset und mit Hilfe eines Computer Brain Interfaces werden durch individuelle Gehirnströme erzeugte Welten und Sounds erlebbar: Eine lebendige Installation des Unbewussten.

Wir haben mit Creator und Produzent Oliver Czeslik über diese spannende VR-Experience, die uns ins eigene Unterbewusstsein eintauchen lässt, gesprochen:

Foto: mYndstorm Productions

Wie seid ihr darauf gekommen, eine Reise durch das Gehirn in VR zu bauen?

Unser Gehirn bietet unendliche Möglichkeiten neuronaler Verknüpfungen. Ebenso viele Bilder und poetische Imaginationsräume könnten wir hervorrufen – aber um die uns umgebende Realität verarbeiten zu können, vereinfachen und beschränken wir diese Möglichkeiten. Das Potential, unsere inneren Bilderwelten zu befreien, wollten wir erlebbar und sichtbar machen.
Mind the Brain! ist dabei mehr als eine virtuelle Reise durch unser Gehirn, durch eine eigene Welt, für die wir wissenschaftliche Modelle künstlerisch interpretiert haben. Durch das BCI (Brain Computer Interface) kann der Besucher mit dieser Welt auch interagieren. Wir machen unterschiedliche Zustände des Gehirns durch Neuro-Feedback ganz intuitiv erlebbar, bis hin zu eigenen poetischen, archetypischen Bildern.

Ich war als Theater- und Filmautor immer an narrativen Formen als Ausdruck menschlichen Wirkens interessiert und suche größtmögliche offene Strukturen, um Zuschauer:innen zu deregulieren, von Konsumenten zu Beteiligten zu machen. Ein Schlaganfall im Jahr 2016, der mich in innere Räume zwischen Leben und Tod führte, rief in der größten Bedrohung auch eine Möglichkeit des Erkennens hervor. Realität und Fiktion verschmolzen zu eigenen Erlebnisräumen, schön und beängstigend.
Co-Produzentin und -Kreatorin, meine Frau Kathrin Brunner war über 20 Jahre an innovativen Digitalprojekten beteiligt, immer getrieben von der Vision, die Digitalisierung der Gesellschaft könnte zu mehr Austausch und gesellschaftlicher Veränderung führen.
Wir beide sehen in interaktiver VR die Chance auf eine erweiterte Kunstsicht und Befreiung aus Konventionen.

Wie war der Prozess von der Idee zur fertigen Experience?

Wir haben am Anfang lediglich gesagt: Wir müssen den Menschen einen Zugang in das Zentrum ihrer eigenen Narration verschaffen: in das Gehirn, in der die größtmögliche Offenheit von neuronalen Strukturen unendliche Möglichkeiten bietet. Aber wie?

Zunächst mussten wir viel Überzeugungsarbeit leisten, damit wir ganz unterschiedliche herausragende Expert:innen zusammenbringen. Im Verlauf von über zwei Jahren konnten wir eine Vielzahl an unterschiedlichen Partner:innen von unserem Weg überzeugen: das Forschungszentrum Jülich mit dem Human Brain Projekt, die Bauhaus Universität Weimar und schließlich unseren Partner Brainboost GmbH mit Tobias Heiler aus München. Und natürlich unseren Arthouse Regisseur Fred Kelemen, sowie das künstlerische Team – vom Sound Composer Nirto Karsten Fischer zu Juliane Fuchs, die für die physische Installation zuständig ist. Und wir brauchten die Einheit von 3D Kunst und Unity Programmierung, die die BCI Signale transformiert in Bilderwelten: Sebastian Esposito, Daniel Lichtenstern und Marc Hermann haben da Pionierarbeit geleistet! Insgesamt waren über 20 Menschen beteiligt.

Foto: mYndstorm Productions

Und praktisch?

Da wir immer die Besucher:innen im Mittelpunkt gesehen haben, wollten wir auch in der Entwicklung möglichst viele Unbeteiligte einbeziehen. In diversen Open Labs, von der summaery Show an der Bauhaus Universität in Weimar, über das Reeperbahn Festival in Hamburg, die VR Days in Amsterdam sowie im Rahmen des Beyond Storytelling Events zur Berlinale 2020 in Berlin haben wir immer wieder neue Seiten der Experience in Zusammenarbeit mit unseren Besuchern ausprobiert und weiterentwickelt. Und das alles über lange Zeit ausschließlich mit eigenen finanziellen Mitteln. Der FFF glaubte schließlich an das Projekt, so dass wir 2020 in die konkrete Produktion gehen konnten.

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VR-Experience Mind the brain!

Und dann habt ihr gleich den Lumiere Award gewonnen?

Ja, das war Ende des Jahres eine wunderschöne Belohnung für den langen Weg. Bis auf die Jury hat aber außer einigen Testpersonen bislang niemand die Experience sehen können. Und für Location based VR-Installationen sind es harte Zeiten – die meisten Festivals haben Berührungsängste, da sie aufgrund der Pandemie nicht planen können; wollen ohne die Interaktion mit dem BCI unsere reduzierte ‚Standalone Version‘ nicht zeigen. Umso mehr freuen wir uns über die Kooperation mit dem Dok.fest Müchen, das am 13.5. um 15:00 Uhr im Livestream eine Case Study im Rahmen des Dok.forum zeigen wird, und dass unser Partner für eine ungewöhnliche Premiere im Blitz! Club ist. Nicht alle Festivals haben diesen Mut.

Wie und wann kann man die Experience erleben?

Für Pressevertreter und Fachpublikum bieten wir vom 14. bis 16. Mai individuelle Screenings im XR HUB Bavaria an.

Ab dem 19. Mai (und falls wir immer noch im Lockdown sind, ab dem 25. Juni) haben wir mit Unterstützung des FFF Bayern sowie in Kooperation mit dem Dok.fest im Blitz Club am Deutschen Museum eine sehr spezielle, angepasste Deutschland-Premiere geschaffen. Die Premiere wird im kleinen, exklusiven Rahmen und mit einem ausgefeilten Hygienekonzept stattfinden. Es wird ein besonderes Erlebnis – auch wegen der besonderen Umstände, die auch ihre eigene Wirkkraft haben. Im Vermissen liegt ja auch Stärke und Poesie.

Und was habt ihr als Nächstes vor?

Die menschliche Narration und deren unendliche Möglichkeiten stehen im Mittelpunkt unserer Arbeit. Im nächsten Projekt widmen wir uns der Fragestellung, wie Tiere uns wahrnehmen und welche Fähigkeiten wir davon nutzen können. Zusammen mit unserem bayerischen Team sind die ersten Arbeiten bereits im Gange. Aber mehr verraten wir hier jetzt noch nicht.

Veranstaltungshinweise:

Im Rahmen des DOK.fest München wird am 13. Mai 2021 um 15:00 Uhr eine Case Study mit Live Präsentation von Mind the Brain! stattfinden.

Die Premiere der Installation findet dann – sofern es die dann gültigen Corona-Verordnungen zulassen – vom 19. bis 22. Mai 2021 im Blitz Club/ Deutsches Museum statt. Andernfalls verschiebt sich das Datum auf den 25. Juni 2021.

Für interessierte Pressevertreter und Fachpublikum finden vom 14.-16. Mai Einzelscreenings im XR HUB Bavaria statt. >> Akkreditierungsanfragen und Terminreservierung

Über den Autor

Geschrieben von:

Silke Schmidt leitet den XR HUB Bayern an seinem Standort in München bei der Medien.Bayern GmbH. Zuvor war sie im Bayerischen Staatsministerium für Digitales im Bereich „Film, Games und XR“ tätig, im Bayerischen Wirtschaftsministerium in der Außenwirtschaft, bei der Europäischen Kommission als Nationale Expertin und im Bayerischen Umweltministerium.

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